Differenzierte Optionen zum Schutz von Patienten mit hohem Risiko für das Auftreten eines plötzlichen Herztodes

von
Chefarzt Prof. Dr. med. Rainer Hoffmann
Oberarzt Dr. med. Jochen Michaelsen
Abteilung Kardiologie, Angiologie und Schlafmedizin

 

 

Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz und schwerer Herzmuskelfunktionsstörung sind durch das Auftreten lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen bzw. einen plötzlichen Herztod bedroht. In den letzten Jahrzehnten hat sich bei diesen Patienten wie auch bei Patienten mit bereits erlebter schwerer Herzrhythmusstörung die Nutzung eines sogenannten implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) zum Schutz vor einem plötzlichen Versterben etabliert. In verschiedenen Studien konnte für die zuvor genannten gefährdeten Patientengruppen ein klarer Überlebensvorteil nach Implantation eines ICD gezeigt werden. Die Geräte wurden mit der Zeit immer weiter entwickelt mit kleineren Batterien, längeren Batterielaufzeiten, der sogenannten MRT-Tauglichkeit, die es erlaubt, den Patienten trotz implantierten Gerätes einer Magnetresonanztomographie (MRT) zuzuführen und verbesserten Programmen, die ein fehlerhaftes Auslösen des Gerätes vermeiden helfen.

 

Ein implantierter subkutaner Defibrillator, bei dem alle Bestandteile des Gerätes außerhalb des Herzens liegen.

Eine relevante Limitation der bisherigen Geräte sind die sogenannten Elektroden, die Kabel, die das eigentliche Gerät mit dem Herzen verbinden. Durch diese Elektroden werden die elektrischen Signale des Herzens zum Gerät geführt. Die im Gerät vorgenommene permanente Analyse dieser Signale als EKG, ermöglicht eine sofortige Erkennung von schweren Herzrhythmusstörungen. Erkennt das Gerät eine behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung, dient eine der Elektroden zur Abgabe des elektrischen Schocks, der das Herz wieder zum normalen Rhythmus zurückführt. Diese Elektroden erleiden bei jahrelanger Implantation mit entsprechenden Bewegungen im Herzen bzw. Körper häufig Schäden. Ein Funktionsverlust kann die Folge sein, der die Implantation einer neuen Elektrode erfordert. Die Entfernung alter Elektroden ist meist schwierig und mit Gefahren verbunden, weil die alten Elektroden in der Regel im Herzen eingewachsen sind. In den letzten Jahren sind nun sogenannte subkutane ICD verfügbar geworden. Bei diesen Geräten wird keine Elektrode mehr in das Herz eingeführt. Insofern fällt auch die potentielle Beschädigung der in das Herz eingeführten Elektrode weg. Alle Bestandteile des Gerätes liegen außerhalb des Herzens. Stattdessen wird eine Elektrode im Unterhautgewebe implantiert. Ermöglicht wurde diese neue Gerätetechnik durch stärkere Batterien, die ein direktes Zuführen des elektrischen Schockes zum Herzmuskel nicht mehr erfordern. Dieser neue Typ des Defibrillators ist nur bei bestimmten Patienten nutzbar. Interessant ist er vor allem für jüngere Patienten, die bei Nutzung eines konventionellen Systems wahrscheinlich im Laufe des Lebens Probleme mit im Herzen implantierten Elektroden erfahren würden.

Eine weitere interessante Neuentwicklung der letzten Jahre ist der sogenannte tragbare Kardioverter-Defibrillator. Hierbei sind in eine auf der Haut zu tragenden Weste Elektroden eingenäht, die die Erkennung des EKG ermöglichen und weitere Elektroden, die die Abgabe eines Defibrillatorschocks ermöglichen. Die Weste muss also dauernd getragen werden, um einen maximalen Schutz zu bieten. Eingesetzt wird der tragbare Kardioverter-Defibrillator bei Patienten mit vorübergehendem Risiko für das Auftreten eines plötzlichen Herztodes. Dies betrifft insbesondere Patienten mit vorausgegangenem Herzinfarkt oder Patienten mit kürzlich entdeckter schwerer Herzmuskeleinschränkung, bei denen nach Einleitung einer entsprechenden medikamentösen Therapie, eine Verbesserung der Herzmuskelleistung und damit eine Reduktion des Risikos schwerer Herzrhythmusstörungen zu erwarten ist. Diese Patienten bräuchten daher keinen dauerhaften implantierten Defibrillator, sondern nur vorübergehend die tragbare Defibrillator-Weste, die ihnen einen analogen Schutz bietet.

Zusammenfassend haben sich in den letzten Jahren neue Optionen für den Schutz des Patienten mit hohem Risiko für einen plötzlichen Herztod ergeben und eine differenzierte Wahl der für den Patienten optimalen Therapie ist erforderlich.

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