Große Gefäßoperationen an Bauch- und Brustschlagader ohne Vollnarkose

Geht das und welche Vorteile hat diese Technik?

von

Chefarzt Dr. Jörg Teßarek, Gefäßchirurgie

 

 

 

 

 

und

Oberärztin Dr. Soledad Diana, Anästhesie

Mit der ständig zunehmenden Lebenserwartung der Bevölkerung wächst die Zahl der Patienten mit den sogenannten „Wohlstandskrankheiten“. Diese umfassen die Gefäßerkrankungen, den Diabetes mellitus, Übergewicht, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Die Zahl der zu behandelnden Patienten und deren Lebensalter zum Zeitpunkt der Operation steigen gleichzeitig an, und damit auch die Begleitrisiken für eine operative Behandlung und die notwendigen Narkoseverfahren. Gefäßerkrankungen der großen Gefäße können mittlerweile ohne Kontrastmittelgabe zum Schutz der Nierenfunktion und mit Ultraschallsteuerung bei geringster Strahlenbelastung durchgeführt werden. Aber gerade für die Erkrankungen und Patienten, die nicht in Lokalbetäubung operiert werden können, kommt zum bestehenden Risiko der Erkrankung das Narkoserisiko hinzu.

Die Weiterentwicklung der gefäßchirurgischen Techniken für die Behandlung der Brust- und Bauchschlagader, der Halsschlagader wie auch der Beingefäße erlaubt in vielen Fällen den Einsatz von Lokalanästhesie und kleinen Kathetern statt des Skalpells mit einer Vollnarkose. Diese Form der Betäubung ist weniger eingreifend und risikobehaftet für den Patienten und ermöglicht den betreuenden Ärzten eine optimale Kontrolle des Patienten und seiner Organfunktionen.

Bei Operationen, die eine Eröffnung des Bauches oder des Brustraumes notwendig machen, erlaubt die Erfahrung von Narkoseärzten und Gefäßchirurgen den routinemäßigen Einsatz der Teilnarkose, so dass auch diese großen Eingriffe ohne Vollnarkose bei wachem Patienten erfolgen können.

Diese Teilnarkose, ermöglicht es, über einen an die Nervenstränge angelegten Katheter die Operation schmerzfrei und ohne die Begleitrisiken der Vollnarkose durchzuführen. Die Herz- und vor allem die Lungenfunktion des Patienten werden dadurch nicht beeinträchtigt. Das Risiko eines sogenannten Delirs (schwere Verwirrtheit) nach OP und Narkose geht gegen Null. Da die Schmerzmedikamente über den Katheter auch nach der Operation weitergegeben werden können, sind keine Medikamente notwendig, die Müdigkeit hervorrufen, die eine Verwirrtheit bedingen oder verstärken, oder die Atemfunktion und die Darmtätigkeit negativ beeinflussen.

Mittlerweile wurden viele Patienten mit dieser Technik operiert. Die Zeit auf der Intensivstation und die gesamte Dauer des Krankenhausaufenthaltes konnten verkürzt werden. Ein Delir trat bei diesen Patienten trotz des teilweise hohen Alters und der Begleiterkrankungen nicht auf. Die Patienten konnten viel früher wieder normal trinken und essen als bei Operationen in Vollnarkose. Die Stärke der postoperativen Schmerzen wurde von den Patienten als sehr gering bis gar nicht vorliegend bezeichnet und konnte über den liegenden Schmerzkatheter jederzeit reguliert werden.

Die Patienten gaben nach der Operation einstimmig an, dass es zwar eine ungewöhnliche Situation gewesen sei, wach zu sein und sich mit dem Operateur unterhalten zu können, aber zu keiner Zeit bedrohlich oder angsteinflößend. Auch der Verlauf nach der Operation wurde als wenig einschränkend beurteilt, da der Patient immer wach war und mit seinen Angehörigen, den Pflegekräften und Ärzten jederzeit sprechen konnte. Da die wachen Patienten sofort nach der Operation wieder trinken konnten, hatten sie auch kein störendes Durstgefühl.

Es ist aus vielen gesundheitswissenschaftlichen und medizinischen Studien bekannt, dass der Erhalt der körpereigenen Kontrollfunktionen weniger Komplikationen verursacht, als der künstliche Erhalt durch Maschinen. Die Organfunktionen des Patienten sind stabiler, die Durchblutungssituation der Beine wird positiv beeinflusst und damit die Thrombosegefahr verringert. Zudem ist die natürliche Angst vor dem Kontrollverlust durch eine Vollnarkose ein Stress- und damit Risikofaktor. Der wache Patient hat weniger Stress, weniger Angst und das Risiko von Komplikationen nach der Operation ist deutlich geringer. Auch die Mitarbeiter im OP und auf der Station nehmen diese Form der Narkose und den wachen Patienten als positiv wahr, denn ein wacher Patient hört mit und kann sich jederzeit mitteilen. Diese Tatsache fördert ein ruhiges und entspannteres Miteinander für alle Beteiligten.

Nicht alle großen Gefäßoperationen werden in dieser Form der Narkose durchführbar sein. Die nachweisbaren Vorteile des beschriebenen Verfahrens, weniger Risiko, weniger Angst und schnellere Genesung, erlauben es jedoch, auch Patienten mit einem höheren Begleitrisiko, die nicht für eine Vollnarkose geeignet sind, operativ zu heilen und ihnen eine Behandlungsperspektive aufzuzeigen.

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