Radiojodtherapie – eine schonende Behandlungsoption bei Schilddrüsenüberfunktion

von PD Dr. Christian Wenning

Chefarzt der Nuklearmedizin des Bonifatius Hospital Lingen

 

 

 

Eine Schilddrüsenüberfunktion wird anhand von Schilddrüsenhormonwerten, die man mit einer Blutprobe bestimmen kann, festgestellt. Häufig, vor allem im Frühstadium, ist dies ein Zufallsbefund z.B. im Rahmen einer Routine-Untersuchung oder eines „Check-Ups“ beim Hausarzt. In manchen Fällen führt die Überfunktion jedoch auch zu körperlichen Beschwerden, die sich sehr vielfältig äußern können. Häufig bemerken Betroffene eine gesteigerte innere Unruhe, Nervosität und eine schnellere emotionale Reizbarkeit. Hinzu kommen häufig ein gesteigertes Wärmegefühl, Schlafstörungen oder eine unklare Gewichtsabnahme. Aber auch Herz-Kreislauf-Beschwerden können erstmalig auftreten oder sich verschlechtern.

Wird eine Überfunktion der Schilddrüse festgestellt, so muss zunächst die Ursache geklärt werden. Dies geschieht mit Hilfe spezieller Blutuntersuchungen, einer Ultraschalluntersuchung und meistens auch einer Schilddrüsenszintigraphie beim Facharzt für Nuklearmedizin. Ist die Ursache gefunden, so kann in vielen Fällen eine sogenannte Radiojodtherapie zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion durchgeführt werden.

Wie der Begriff „Radiojodtherapie“ schon suggeriert, wird bei dieser Form der Behandlung radioaktives Jod (Jod-131) eingesetzt, das im menschlichen Körper fast ausschließlich von Schilddrüsenzellen aufgenommen und gespeichert wird. Das radioaktive Jod wird in Kapselform eingenommen, und auf natürlichem Wege von (überaktiven) Schilddrüsenzellen aufgenommen und gespeichert. Diese werden nun praktisch „von innen“ bestrahlt. Die bei der Radiojodtherapie wirksame Strahlung reicht nur wenige Millimeter in das Gewebe hinein, so dass benachbarte Schilddrüsenzellen, die nicht überaktiv sind, verschont bleiben. Auch benachbarte Organe werden von der Strahlenwirkung nicht beeinträchtigt. Nur ein geringer Teil der Strahlung, der keinen therapeutischen Effekt hat, ist von außen messbar.

Die Radiojodtherapie wird in einigen Ländern ambulant (das heißt ohne stationären Krankenhausaufenthalt) durchgeführt. In Deutschland darf die Therapie nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden. Die gesetzlichen Regelungen legen fest, dass die Therapie nur auf einer speziellen nuklearmedizinischen Therapiestation von einem Facharzt für Nuklearmedizin durchgeführt werden darf. Die Patienten werden für einige Tage (in der Regel 2 bis 5 Tage) aufgenommen, und können erst nach Unterschreitung eines gesetzlich festgeschriebenen Grenzwertes wieder nach Hause entlassen werden. Bei sehr stark vergrößerten Schilddrüsen kann auch eine längere Aufenthaltsdauer im Krankenhaus notwendig werden.

Die Radiojodtherapie wird seit vielen Jahrzehnten weltweit angewendet. Sie ist äußerst nebenwirkungsarm, und hat sich auch in der jahrzehntelangen Verlaufsbeobachtung als äußerst sicher erwiesen. Insbesondere besteht kein erhöhtes Krebsrisiko - eine Sorge, die viele Menschen beschäftigt, wenn sie an „Radioaktivität“ denken. In Deutschland werden insgesamt etwa 50.000 bis 60.000 Radiojodtherapien pro Jahr durchgeführt.

Die häufigsten Erkrankungen, die mit der Radiojodtherapie behandelt werden, sind die autonomen Überfunktionen der Schilddrüse und die sogenannte Basedow-Krankheit („Morbus Basedow“). Auch eine Schilddrüsenvergrößerung („Struma“) wird zunehmend erfolgreich mittels Radiojodtherapie behandelt, um die Schilddrüsengröße zu reduzieren. Diese Option kommt vor allem bei älteren Patienten oder bereits an der Schilddrüse voroperierten Patienten in Betracht, bei denen man eine erneute Operation oder aufgrund von Begleiterkrankungen eine Narkose vermeiden möchte. Außerdem werden auch Patienten mit Schilddrüsenkrebs erfolgreich mit der Therapie behandelt, da auch Schilddrüsenkrebszellen in der Regel Jod aufnehmen, und somit einer Therapie zugänglich sind.

Die Erfolgsraten der Radiojodtherapie sind insgesamt sehr gut und liegen im Mittel bei über 90 Prozent. Allerdings hat die Radiojodtherapie keinen „Soforteffekt“. Im Anschluss an die Therapie sind daher regelmäßige Blutwertkontrollen sowie eine Abschlussuntersuchung nach 3 – 4 Monaten erforderlich. In dieser Zeit ist es erforderlich, in regelmäßigen Abständen die Schilddrüsenhormone im Blut zu kontrollieren. Diese Kontrollen können in der Regel ambulant beim Hausarzt erfolgen.

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