Sport, Schwanger - und nun...?


von Dr. Hartmut Ebbecke (li.)
und Dr. Manfred Johnscher (re.)
Leiter des Perinatalzentrums Bonifatius Hospital Lingen

 

 

Früher bekam man mit dem Mutterpass die Lizenz zum Füße hochlegen ausgehändigt, denn Sport in der Schwangerschaft galt lange Zeit als absolut tabu. Mittlerweile weiß man jedoch dank zahlreicher Studien der letzten Jahrzehnte, dass sich Sport in einer komplikationsfreien Schwangerschaft eindeutig positiv auf die werdende Mutter und das Kind auswirkt.

Sportliche Betätigung stabilisiert und verbessert die Leistungsfähigkeit des Körpers. Je nach betriebener Sportart werden durch Training das Zusammenspiel des Zentralnervensystems mit der Muskulatur, Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer in unterschiedlichem Maß gefördert. Der Stoffwechsel und der Sauerstoffverbrauch der Gewebe werden optimiert. Diese Effizienzsteigerung wirkt sich positiv auf die Versorgung und die Entwicklung des Ungeborenen aus. Der in der Schwangerschaft instabilere Gelenkapparat der Schwangeren wird durch Koordinationsübungen und Krafttraining stabilisiert. Frauen, die erst in der Schwangerschaft mit der Ausübung von Sport beginnen, steigern ihre Leistungsfähigkeit und Kraft, leiden weniger häufig unter Rückenschmerzen, neigen nicht zum Schwangerschaftsdiabetes, gebären normal große Kinder und haben ein geringeres Kaiserschnittrisiko. Der Anteil der Schwangeren mit sowie Der Anteil der Schwangeren mit Bluthochdruck sowie lässt sich deutlich senken.

Moderater Ausdauersport fördert die unspezifische Abwehr des Organismus: bei Sporttreibenden treten in der Schwangerschaft weniger häufig Infektionen auf - einer der Hauptrisikofaktoren der Frühgeburtlichkeit. Sport z.B. in einer Gruppe fördert insgesamt das Wohlbefinden und damit das Miteinander einschließlich der Kommunikation - der "Spaßfaktor" im Sport ist nicht zu unterschätzen: Untersuchungen weisen darauf hin, dass Inaktivität in der Schwangerschaft ebenso mit depressiven Verstimmungen verbunden ist wie bei Nichtschwangeren: körperliche Aktivität in der Gruppe schützt also vor Depression und v.a. vor der gefürchteten Wochenbettdepression (Baby Blues).

Die sportliche Aktivität der werdenden Mütter hat Auswirkungen auf die Geburt und das Neugeborene: körperlich aktive Frauen entbinden signifikant weniger mit Geburtskomplikationen. Die Geburt erfolgt näher am Termin und die Dauer der Entbindung ist kürzer. Sportlich aktive Frauen tolerieren besser den Geburtsschmerz, ihre Neugeborenen haben unter der Geburt häufig weniger Stress: die kindliche Herzfrequenz ist öfter normal (normales CTG), während der Geburt scheiden die Babys seltener zu früh Mekonium aus und sie zeigen bessere APGAR-Werte.

Auch für die weitere kindliche Entwicklung ergeben sich positive Aspekte: Frauen, die in der Schwangerschaft Sport betreiben, setzen die gesunde Lebensweise (einschließlich Ernährung) auch nach der Geburt fort. Die Kinder wachsen von Anfang an in einer "sportlichen", gesundheitsfördernden, sozialen Umgebung auf.

Sport in der Schwangerschaft ist also deutlich positiv zu bewerten - allerdings kommt es auf die Dosis an: Das Trainingsprinzip heißt "Auf den Körper und das Bauchgefühl hören". Die Pulsfrequenz während der Aktivität sollte altersabhängig zwischen 125 bis 155 Herzschlägen pro Minute betragen. Außerdem wird die Anwendung des "Talk Tests" (körperliche Aktivität, die eine Unterhaltung zulässt) empfohlen. Vor der Schwangerschaft inaktive Frauen beginnen zunächst mit 15 Minuten Ausdauertraining drei Mal je Woche und können auf 30 Minuten 4 mal je Woche steigern. Aufwärm- und Cooldown- Phasen während des Trainings werden empfohlen. Im Rahmen einer individuellen Beratung werden persönliche Trainingsprogramme erstellt, bei denen Intensität, Dauer und Häufigkeit angepasst werden. Nicht trainierte Schwangere sollen bei 60% bis 70%, trainierte Schwangere bei 60% bis 90% der maximalen Herzfrequenzen trainieren, um die Fitness in der Schwangerschaft aufzubauen bzw. zu erhalten. Schwangere mit Gestationsdiabetes sollen bei sportlicher Aktivität die Blutzuckerwerte kontrollieren und regelmäßige Malzeiten einnehmen. Darüber hinaus wird geraten, Erholungsphasen einzuplanen sowie Kindsbewegungen und Wehentätigkeit zu beobachten.

Von "aggressiven" Sportarten, die mit schnellen Bewegungen oder Stößen verbunden sein können oder die mit einem erhöhten Unfallrisiko verbunden sind, raten die Fachverbände ab. Empfohlene Einsteiger-Sportarten sind Nordic Walking, Wandern, Yoga, Gymnastik, Aqua-Jogging und Schwimmen. An der Sporthochschule Köln hat ein Team ein Internetportal zum Thema "Sport in der Schwangerschaft" entwickelt und zu verschiedenen Sportarten Informationen zusammengestellt.

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