Stationäre Schmerztherapie – eine möglicher Baustein in der Behandlung des chronischen Schmerzes

 

von
Michael Papenhoff
Leitender Oberarzt der stationären Schmerztherapie
Bonifatius Hospital Lingen

 

 

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, immer mehr zugenommen. Chronische Schmerzen stellen eine einschneidende Belastung dar, die geschätzte 8-16 Millionen Menschen, also 10 bis 20% der Bevölkerung, in Deutschland erleben. Im Falle der chronischen Schmerzerkrankung ist das Schmerzsignal des Körpers, welches eigentlich eine Warnung vor Gefahren und Verletzungen darstellt, überpräsent und wird zu einer eigenen Krankheit, die den Betroffenen sowohl körperlich als auch psychisch sehr beeinträchtigen kann.

In der multimodalen, stationären Schmerztherapie greifen nun mehrere Dinge ineinander: Sowohl die Behandlung der körperlichen Probleme durch die Zusammenarbeit mit der Physiotherapie, als auch die Behandlung der psychischen Begleiterscheinungen durch die Zusammenarbeit mit der Psychotherapie.

Zu den psychischen Belastungen, die mit einem anhaltenden Schmerz einhergehen, gehören Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Ärger, ein reduziertes Selbstwerterleben oder auch vermehrte Passivität. Häufig berichten Patientinnen/Patienten, dass sie durch die körperlichen Beschwerden und das Schmerzerleben nicht mehr in der Lage sind, das vorherige Leistungsniveau aufrechtzuerhalten. Wenn sie versuchen, Tätigkeiten trotzdem wie gewohnt durchzuführen, gelangen sie oftmals an die - schmerzbedingt herabgesetzte - Grenze der Belastbarkeit; nicht selten kommt es in der Folge zu Hadern, Grübeln und vermehrtem Ärger oder Reizbarkeit. In der psychologischen Bearbeitung geht es u.a. darum, realistische und hilfreiche Verhaltensmuster zu planen, hinderliche Gedanken und Einstellungen zu hinterfragen und aufkommenden Gefühlen Raum zu geben, um ein an das Schmerzerleben angepasstes Verhalten zu erleichtern.

Darüber hinaus können gegenwärtige Belastungen und Stress die Schmerzintensität über verschiedene Mechanismen verstärken. Auch einschneidende biographische Erfahrungen können dazu beitragen, dass ein Schmerz verstärkt erlebt wird. In der Schmerztherapie ist es ein Anliegen, diese Zusammenhänge zu verdeutlichen und im Einzellfall belastende Erfahrungen aufzuarbeiten.
Ziel der multimodalen Schmerztherapie ist es, für jeden Patienten individuell das richtige Verhältnis von Psychologie, Physiotherapie und Medizin zu finden, um eine Schmerzreduktion zu erreichen. Über Gesprächstherapie, Entspannungsübungen, Bewegungsbäder, physiotherapeutische Übungen, Gerätetraining und/oder Medikamentengabe wird versucht, den Schmerz auf ein für den einzelnen Patienten erträgliches Niveau zu reduzieren.

Wichtig ist es, nicht mit der Erwartungshaltung in eine Schmerztherapie zu gehen, nach einer zwei bis drei Wochen andauernden Behandlung vollkommen schmerzfrei zu sein. Schließlich bestehen die Schmerzen in der Regel bereits seit Monaten oder Jahren. Oftmals haben Patienten vor Beginn einer spezifischen Schmerztherapie bereits viele Behandlungsmethoden ausprobiert - ohne durchschlagenden Erfolg. Hinzu kommt, dass laut Aussage der Deutschen Schmerzgesellschaft 43% der behandelten Schmerzpatienten über ein Jahr auf die Diagnosestellung warten mussten.
In der Schmerztherapie kann ein erster Grundstein gelegt werden, den Schmerz anhaltend zu reduzieren. Nach der Entlassung sollten die erlernten Übungen weitergeführt werden, um den in der Therapie erzielten Erfolg zu festigen und weiter auszubauen. Nur so kann der Schmerz langfristig ein erträgliches Niveau erreichen und ein günstiger Umgang mit dem eigenen Schmerzerleben gefestigt werden.

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