Vom gestillten Kind zum ICHLING

Fachfortbildung im Boni für Kinderärzte, Hebammen und Pflegepersonal

Lebhaft und engagiert konnte Dr. Dipl. psych. Stefan Valentin den knapp 100 Kinderärzten, Hebammen und Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern aus dem Emsland und Umgebung in einer Fortbildung der Elternschule des Bonifatius Hospitals vermitteln, weshalb unsere Kinder heute oft keine Teamplayer mehr sind. Wie auch in seinem Buch mit dem Titel „ICHLINGE“ erläuterte er die Problematik.


Autor Dr. Dipl. psych. Stefan Valentin mit den Organisatoren der von der Elternschule durchgeführten Fortbildung im Bonifatius Hospital: Leiterin Maria Lohbreier sowie die Chefärzte Dr. Manfred Johnscher und Dr. Henry Bosse

Schon die Gebrüder Grimm hätten diesen Begriff geprägt. ICHLING meint einen egoistischen, wenn nicht sogar egozentrischen Menschen. Wir dürften die verschiedenen Kulturen nicht außer Acht lassen, so Valentin, jedoch habe er den Eindruck, dass die Kinder in unserer westlichen, stark medial geprägten Welt mehr und mehr vereinsamen. Durch den sehr frühen Konsum mit Bildschirmen aller Art würden bestimmte Bedürfnisse sofort befriedigt und Fragen ohne weitreichende Erklärungen beantwortet. Durch ständige Erreichbarkeit bis in die Nacht hinein habe das kindliche, jugendliche Gehirn kaum Möglichkeiten abzuschalten. Den Kindern werde darüber hinaus suggeriert, dass alles immer sofort passieren müsse oder zu haben sei und so lernen sie auch nicht abzuwarten, auf etwas hinzuarbeiten oder Kompromisse zu schließen.

Valentin wusste aber auch zu berichten, dass viele Eltern sehr verunsichert seien und nicht wüssten, wie sie sich heute ihren Kindern gegenüber verhalten sollen. Durch den hohen Leistungs- und Konkurrenzdruck glauben sie ihre Kinder frühzeitig allen Fördermöglichkeiten aussetzen zu müssen. Sie möchten das Beste für ihre Kinder und möchten sie autonom und konkurrenzfähig in die Welt entlassen, damit sie hier bestehen können. Wenn Kinder aber ausschließlich aus dieser Perspektive sozialisiert würden, fehle es diesen oft an Kooperation- und Kommunikationsfähigkeit sowie an Rücksichtnahme, mitmenschlicher Sensibilität, Toleranz und Empathie.

Er sprach von einer richtigen Förderhysterie. Wenn Neugeborene mit Bodies mit der Aufschrift Abi 2032 bekleidet würden, so sage das doch viel aus, meinte er. Ein Kind brauche Wertschätzung und Angenommensein in seiner Persönlichkeit, brauche positive Verstärker, auch wenn es nicht immer dem Wunschkind entspräche. Empathie sei der soziale Zusammenhalt in unserer Gesellschafft und diese Fähigkeit könne trainiert werden.

Valentin appellierte an die Teilnehmer, Eltern zu unterstützen, den Kindern die eigenen Werte wieder zu vermitteln, sich Differenzen auszusetzen und mit dem Kind nach Lösungen für Probleme zu suchen. Vielleicht können auch ein gemeinsamer Spieleabend in der Woche die Kommunikation und soziale Kompetenzen trainieren. Man müsse den Kindern mehr zuhören, sie wirklich wahrnehmen, mehr mit ihnen sprechen und ihnen vertrauen bzw. etwas zutrauen. Wichtig für die Entwicklung sei es, ihnen Bindung und Halt zu geben und nicht nur Liebe für erbrachte Leistungen.

Abschließend sprach Dr. oec. troph. Rainer Siewert aus Berlin über die frühkindliche Prägung durch Ernährung. Er hob deutlich hervor, dass die Muttermilch die beste Ernährung sei, um den Stoffwechsel der Kinder positiv zu programmieren. Die pränatale Prägung wie Übergewicht der werdenden Mutter oder Diabetes spiele natürlich auch eine Rolle. Auch Umwelteinflüsse, Epigenetik, zeigen hier Auswirkungen. Dass darüber hinaus das Stillen auch Bindung, Sicherheit und Nähe mit sich bringe, rundete das Thema des Nachmittags gelungen ab.

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