Vorhofflimmern: Die heimliche Gefahr

von Prof. Dr. Rainer Hoffmann
Chefarzt Kardiologie und Angiologie

Viele Patienten haben keinerlei Beschwerden, bis plötzlich ein Schlaganfall auf die vorliegende Herzrhythmusstörung hinweist. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Statt einer rhythmischen Herzaktion mit gleichen Zeitabständen zwischen den einzelnen Herzaktionen kommt es zur Arrhythmie mit wechselnden Zeitabständen zwischen den Herzaktionen. Die Vorhöfe selber haben eine chaotische Erregung mit einer Frequenz von über 350/min, so dass die Vorhöfe nicht mehr zur koordinierten Herzpumpleistung beitragen. Entsprechend können sich Gerinnsel im Vorhof ansammeln und potentiell mit der Blutbahn zum Gehirn verschleppt werden, wo sie dann einen Schlaganfall auslösen. Patienten mit Vorhofflimmern haben ein etwa um den Faktor 4 erhöhtes Risiko gegenüber Menschen mit normalem Herzschlag, einen Schlaganfall zu erleiden. Liegen noch andere Begleitumstände vor, wie ein Diabetes Mellitus, erhöhter Blutdruck oder eine Gefäßerkrankung, so liegt insbesondere bei älteren Patienten das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, rasch über 5% pro Jahr. In Deutschland gibt es ca. 1,8 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern. Die Häufigkeit von Vorhofflimmern steigt mit dem Alter an. Während bei unter 50 Jährigen die Häufigkeit unter 1% liegt, steigt sie bei den über 80 Jährigen auf 9-16% an. Einige von ihnen leiden sehr unter der Herzrhythmusstörung. Sie empfinden eine innere Unruhe, Herzstolpern, Herzrasen, Luftnot und eine verminderte Belastbarkeit. Andere Patienten haben keinerlei Beschwerden und unterliegen doch den Gefahren, die mit dem Vorhofflimmern verbunden sind. Bei Auftreten von Vorhofflimmern verschlechtert sich akut die Herzleistung. Es besteht dann weiterhin ein erhöhtes Risiko, eine Herzmuskelschwäche zu entwickeln, insbesondere bei länger bestehendem Vorhofflimmern mit hoher Herzfrequenz.

Es stehen heute sehr wirkungsvolle Verfahren zur Verfügung, um die auftretenden Beschwerden und Risiken zu reduzieren. In jedem Fall sollte das Risiko für das Auftreten eines Schlaganfalls vermindert werden. Dazu muss der Patient meist ein gerinnungshemmendes Medikament einnehmen. Heute stehen verschiedene gerinnungshemmende Medikamente zur Verfügung, die das bei Vorhofflimmern erhöhte Risiko der Entwicklung von Gerinnseln im Herzen reduzieren und damit das Schlaganfallrisiko auf ein deutlich geringeres Niveau senken. Dabei gibt es neben dem früher genutzten Marcumar inzwischen verschiedene weitere Medikamente, die die regelmäßige Kontrolle der Blutgerinnung nicht erfordern und doch einen vergleichbaren Schutz bieten. Sollte es unter Nutzung gerinnungshemmender Medikamente wiederholt zu Blutungen kommen, so kann heute auch im Krankenhaus ein interventioneller Eingriff vorgenommen werden, der das Risiko eines Schlaganfalls ähnlich gut reduziert wie die gerinnungshemmenden Medikamente. Merkt der Patient das Vorhofflimmern und leidet darunter, so kann man zunächst versuchen, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen. Dies kann medikamentös erfolgen oder auch mit einem kurzen Elektroschock. Zur Stabilisierung des normalen Herzrhythmus kann dann die Gabe von Medikamenten erforderlich sein oder eine sogenannte Ablation, ein interventioneller Eingriff im Krankenhaus. Gelingt die Rhythmisierung bei fortgeschrittener Erkrankung bzw. chronischem Vorhofflimmern nicht mehr, so wird zumindest die Herzfrequenz auf ein normales Niveau abgesenkt.

Entscheidend ist aber in jedem Fall die Erkennung des Vorhofflimmerns, um das Auftreten eines Schlaganfalls zu verhindern. Jeder Einzelne kann bei sich zur Erkennung von Vorhofflimmern beitragen. Aufgrund des mit zunehmendem Alter häufiger auftretenden Vorhofflimmerns wird empfohlen, dass über 60 jährige Menschen einmal wöchentlich den eigenen Puls tasten, um Unregelmäßigkeiten festzustellen. Bei Unregelmäßigkeiten sollte der Hausarzt rasch aufgesucht werden.

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