18.03.2019

Wann braucht es orthopädische Chirurgie?

von Dr. Holger Alex, Chefarzt Orthopädie
Bonifatius Hospital Lingen
Leiter des EndoProthetikZentrums Lingen/Sögel

Diese Frage wird sich so mancher betroffene Patient stellen, wenn es um die Frage geht: „Brauche ich ein neues Gelenk“. An wen muss ich mich mit dieser Frage wenden und wer wird sie mir ehrlich beantworten?

Häufig hört man ja im Nachhinein von anderen bereits operierten Patienten den Satz „hätte ich das mal schon viel früher machen lassen“, aber das hilft ja auch nicht weiter, wenn es um die eigene Problematik geht. Sicherlich lässt sich „Dr. Google“ im Internet befragen, aber das ist nicht wirklich ein guter Rat und führt zu viel Verunsicherung. Also erster Ansprechpartner ist sicherlich der Hausarzt und der wird bei Bedarf einen Facharzt und dann in erster Linie den Orthopäden vorschlagen. Dieser wird dann nach einer Untersuchung und etwaigen Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen eine Behandlung vorschlagen.

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation und wie kann der Arzt das wissen? Es gibt für viele Erkrankungen sogenannte Leitlinien, die durch die Fachgesellschaften der Ärzte erstellt werden. Diese beschreiben die Krankheiten, wie sie diagnostiziert, eingeteilt und behandelt werden sollen. Am Beispiel der Arthrose des Kniegelenkes gibt es folgende Empfehlungen:

Empfehlung 2.1: „Patienten sollen über die Erkrankung, Vorbeugung der Krankheitsprogression, Verbesserung der Lebensqualität und Mobilität aufgeklärt werden (motivationale Beratung).“

Empfehlung 2.4: „Die Therapie sollte anhand eines individuellen Versorgungsplans mittels gemeinsamer Entscheidungsfindung durch Arzt und Patient erfolgen.

Folgende Hauptkriterien werden für die Arthrose des Kniegelenkes genannt, an Hand derer festgelegt werden kann, wann eine Operation (Künstlicher Ersatz des Kniegelenkes) empfohlen wird: Knieschmerz, Nachweis eines Struktur- Schadens (Röntgenbild), Versagen der konservativen Therapie, auf die Kniegelenkserkrankung bezogene Einschränkung der Lebensqualität und der subjektive Leidensdruck. Schmerzen sollen über mindestens drei bis sechs Monate vorliegen.

Sogenannte Nebenkriterien sollten ebenfalls vorliegen. Genannt werden eine Einschränkung bei der Gehstrecke, beim langen Stehen und Treppensteigen ebenso wie beider Beweglichkeit, der Beinkraft, im sozialen Leben, der Berufsausübung und der sportlichen Aktivität. Fehlstellung der Beinachse und Instabilität des Gelenkes sind weitere Gründe. Des Weiteren aufgeführt sind Schwierigkeiten beim Hinsetzen, beim Knien, bei der Körperhygiene, bei Haushaltstätigkeiten und der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die notwendige Unterstützung durch eine Hilfsperson.

Es ist also eine lange Liste, die berücksichtigt werden sollte, bevor es zur Operation kommt. Aber eines gilt immer: Sie als Patient treffen die Entscheidung zur Operation und nicht der Arzt. Niemand kann Sie zur Operation zwingen. Nachlesen können Interessierte die Leitlinien hier: AWMF (www.awmf.org/) und DGOOC (www.dgooc.de)

Veranstaltung „Hüfte, Knie und Co: Sie fragen - Wir antworten“. Ärzte des zertifizierten EndoProthetikZentrums (EPZ) Lingen / Sögel stehen Rede und Antwort am Mittwoch, 20.03.2019 um 19.00 Uhr im Vortragsraum des Bonifatius Hospital Lingen.

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