Franziskanerinnen nach 164 Jahren im Bonifatius Hospital Lingen verabschiedet

Gottvertrauen und Nächstenliebe

von Sebastian von Melle

Mit einem Festgottesdienst in der Kapelle des Bonifatius Hospital Lingen ging die Ära der Mauritzer Franziskanerinnen zu Ende, die seit 1855 die Krankenpflege in der Emsstadt aufgebaut haben.

Foto: Suzanne von Melle

Schweren Herzens sah sich die Ordensleitung in Münster-St. Mauritz gezwungen, den in seiner Blütezeit etwa 50 Schwestern zählenden Konvent aufzulösen, weil der Nachwuchs fehlt und Kräfte gebündelt werden müssen. Auch die Geschäftsführung und das Kuratorium, das Seelsorge-Team und die Ehrenamtlichen, die Mitarbeitervertretung und die Stadtverwaltung zeigten sich betrübt über den Weggang der Ordensfrauen, deren Präsenz im „Boni“ fehlen werde.

Zahlreiche Aufgaben

Die letzten drei von insgesamt 384 Schwestern, Hildegard, Hermengard und Vera, waren viele Jahre tätig in der Seelsorge, der palliativen Begleitung, der Christlichen Krankenhaushilfe, der Sakristei, der Bücherei und im Mutter-Teresa-Haus. Schwester Vera übernimmt eine neue Aufgabe im Mutterhaus, die beiden anderen werden in Münster und Nordwalde ihren Lebensabend verbringen.

Pluszeichen im Hospital

In seiner Predigt bezog sich der Kuratoriumsvorsitzende, Dechant Thomas Burke, auf das freiwillige Engagement der Franziskanerinnen, die den Menschen im Hospital Gebet, Zeit und Würdigung geschenkt hätten. „Sie waren mit Ihrer ganzen Ordensgemeinschaft ein Pluszeichen hier im Haus“, so Burke.

Bleibendes Gedenken

Die Provinzoberin, Schwester Herbertis, betonte das Vertrauen der Patienten zu ihren Mitschwestern, die kollegiale Zusammenarbeit der Mitarbeiter, die Mitschwesterlichkeit der indischen Ordensfrauen im „Boni“ und das offene Ohr der Geschäftsführung. „Niemals geht man so ganz“, zitierte sie Trude Herr und versprach der Hospitalgesellschaft das bleibende Gedenken im Gebet. „Wir brauchen das Gesicht des anderen“, schloss sie ihr Grußwort.

Segensreiches Wirken

Heinz Tellmann, Erster Bürgermeister der Stadt Lingen, erwähnte einen Satz des heiligen Franziskus, der als Motto der Feierstunde diente: „Der Weg zu Gott kann niemals am Menschen vorbeiführen.“ Das segensreiche Wirken der scheidenden Schwestern und ihrer Vorgängerinnen hätten viele Menschen aus Lingen und Umgebung gespürt. „Ihre freundliche und tröstende, bescheidene und zurückhaltende, hoffnungsfrohe und positive Ausstrahlung hat unzähligen Menschen einfach nur gut getan“, so Tellmann.

Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft

Pflegedirektor Ludwig Kerschbaum stellte die Frage, ob der Pflegenotstand mit dem ersten Artikel des Grundgesetzes zu vereinbaren ist, und zeigte sich erfreut, dass auch durch die Mitarbeit der Ordensschwestern das Palliativkonzept des Bonifatius Hospitals entwickelt werden konnte. Dirk Habing von der Mitarbeitervertretung bescheinigte den Schwestern Verlässlichkeit und hohe Einsatzbereitschaft.

Vor-Ort-Geschichte

Geschäftsführer Ansgar Veer nannte die Ära der Mauritzer Franziskanerinnen im „Boni“ eine Vor-Ort-Geschichte im ökumenischen Geist. Die erste Oberin, Schwester Antonina, sei 34 Jahre in Lingen gewesen, die Anfang des Jahres verstorbene Schwester Burgunda immerhin 27 Jahre. Viele Freundschaften seien durch die Ordensfrauen entstanden, und Gespräche über den christlichen Geist im Haus hätten ihn bereichert, so Veer. „Sie haben Nächstenliebe durch tätige Hilfe geübt und die Horizontale der Menschlichkeit mit der Vertikalen des Glaubens verbunden.“ Sein Grußwort beendete der Geschäftsführer mit einem Zitat von Dom Helder Camara: „Dein Leben ist das einzige Evangelium, das die Menschen lesen werden.“

Kräftiger Gesang und Rosenspalier

Mit kräftigem Gesang nahmen viele Ordensfrauen aus der Region und zahlreiche Ehrenamtliche an der Eucharistiefeier teil und geleiteten die sichtlich gerührten Schwestern Hildegard, Hermengard und Vera durch ein Rosenspalier in den nächsten Lebensabschnitt.

Indisches Konvent bleibt

Der Konvent der Mauritzer Franziskanerinnen vom Regulierten Dritten Orden des heiligen Franziskus verlässt mit Sr. M. Hermengard, Sr. M. Hildegard und Sr. M. Vera (v.R. v. li.) das Bonifatius Hospital. Der Konvent der Franciscan Clarist Kongregation mit (h.R. v. li.) Sr. Grace, Sr. Ligi, Sr. Rosmitha, Sr. Riya und Sr. Sherin bleibt im Lingener Krankenhaus, Foto: Bonifatius Hospital Lingen

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