03.05.2026
Palliativmedizin im Krankenhaus - Leben bis zuletzt!
Viel Zeit für Gespräche, um gemeinsam zu entscheiden und Sicherheit zu geben
von

Adelheid Huhmann
Ärztl. Leiterin der Palliativstation
und
Priv.-Doz. Dr. med. Arne Bokemeyer
Chefarzt der Gastro,
Diabetologie & Palliativmedizin
Das Wesen der Palliativmedizin besteht darin, die Lebensqualität von betroffenen Menschen mit schweren, oft unheilbaren Erkrankungen in der letzten Lebensphase durch die medizinische Linderung krankheitsbezogener Beschwerden, wie zum Beispiel Schmerzen, Luftnot, Angst und Übelkeit, zu verbessern.
Besondere Aufmerksamkeit wird hier auf eine ganzheitliche Behandlung und Betrachtung der Patienten gelegt, zu der auch die An- und Zugehörigen in besonderem Maße dazugehören. Medizinisch und pflegerisch steht vor allem die Symptomkontrolle im Mittelpunkt. Dazu zählt eine individuell angepasste Schmerztherapie. Auch andere Beschwerden werden behandelt, wie Atemnot, Unwohlsein oder Unruhe.
Dank zahlreicher Spenden konnten ergänzende Angebote wie Klangschalentherapie, Snoezelwagen, Kieselbad, Aromapflege, ein Massagesessel, die wohnliche Gestaltung des Aufenthaltsraumes und vieles mehr geschaffen werden.
Im Rahmen eines stationären Aufenthaltes erarbeitet ein multiprofessionales Team aus Ärzten, spezialisierten Pflegekräften, Ergo- und Physiotherapeuten, Seelsorgern, Entspannungstherapeuten und weiteren Fachkräften mit dem Patienten einen individuellen Behandlungsplan. Ein wichtiger Teil ist dabei die Kommunikation: Es wird viel Zeit für Gespräche mit den Patienten sowie deren Angehörigen eingeplant, um Entscheidungen wirklich gemeinsam zu treffen und Sicherheit zu geben.
Zur besseren Vernetzung der palliativen Versorgungsstrukturen außerhalb der Palliativstation wurde ein Netzwerk von Pflegekräften mit spezieller Palliativweiterbildung mit Unterstützung des Palliativärzteteams sowie der Klinikseelsorge und der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) aufgebaut. Ziel ist dabei, die Palliativversorgung stärker in den Stationsalltag zu integrieren und für alle Beteiligten – Patienten, Angehörige und Teams – sichtbarer und greifbarer zu machen, um eine gute palliative Betreuung auch im gesamten Krankenhaus zu bieten.
Auch im Bereich der ambulanten Weiterbehandlung der Palliativpatienten besteht eine enge Zusammenarbeit mit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). In wöchentlichen Besprechungen wird der individuelle Bedarf ermittelt.
Darüber hinaus unterstützt der Lingener Hospizverein im Rahmen einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit die stationäre sowie ambulante Betreuung der schwerkranken Menschen.
Die Grundpfeiler der Palliativmedizin sind Würde, Selbstbestimmung und Autonomie des Menschen. Oftmals kann noch eine mehr oder weniger lange, aber gute und kostbare Zeit ermöglicht werden. Ein Aufenthalt auf der Palliativstation kann hier bei Bedarf wichtige Unterstützung sein und bereits während einer onkologischen Behandlung zur Linderung von Nebenwirkungen hilfreich sein.
Palliativmedizin bejaht das Leben in all seinen Facetten und schafft – soweit möglich – eine beschwerdefreie Zeit. Und sie akzeptiert gleichzeitig den Tod und das Sterben als unabwendbaren Teil unseres menschlichen Lebens.


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Akademie St. Franziskus

