23.03.2026

Prähabilitation: Gut vorbereitet in die Operation – bessere Chancen für Hüft- und Knieprothesen

von

Bernd Schmitz

Chefarzt der Orthopädischen Chirurgie und Endoprothetik
Leiter des EndoProthetikZentrums

 

Wenn eine künstliche Hüfte oder ein künstliches Knie eingesetzt werden muss, denken viele Menschen zunächst an die Operation selbst und an die anschließende Rehabilitation. Doch immer häufiger rückt eine Phase davor in den Fokus der Medizin: die sogenannte Prähabilitation. Sie beschreibt Maßnahmen, mit denen sich Patientinnen und Patienten bereits vor einem Eingriff gezielt auf die Operation vorbereiten. Gerade in der Hüft- und Knieendoprothetik kann dies den Unterschied zwischen einer mühsamen und einer schnellen Genesung ausmachen.

Vorbereitung statt nur Nachsorge
Der Begriff Prähabilitation setzt sich aus den Worten „prä“ (vor) und „Rehabilitation“ zusammen. Gemeint ist damit ein strukturiertes Programm, das bereits Wochen vor einer geplanten Operation beginnt. Ziel ist es, den körperlichen und teilweise auch den mentalen Zustand der Patientinnen und Patienten zu verbessern, bevor der chirurgische Eingriff stattfindet. Während früher vor allem die Rehabilitation nach der Operation im Mittelpunkt stand, hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt: Wer fitter und stabiler in eine Operation geht, hat bessere Voraussetzungen für eine schnelle und komplikationsarme Erholung danach. Besonders bei geplanten Eingriffen wie dem Einsetzen einer Hüft- oder Knieprothese bietet sich dafür ein Zeitfenster.

Bedeutung für Hüft- und Knieendoprothetik
In Deutschland gehören Hüft- und Knieendoprothesen zu den häufigsten orthopädischen Operationen. Meist sind Verschleißerkrankungen wie Arthrose der Grund dafür, dass ein künstliches Gelenk notwendig wird. Viele Betroffene haben vor der Operation jedoch bereits über längere Zeit Schmerzen, bewegen sich weniger und verlieren dadurch Muskelkraft sowie Beweglichkeit.
Genau hier setzt die Prähabilitation an. Sie soll den Körper vor der Operation so gut wie möglich stabilisieren. Denn starke Muskulatur, eine gute Beweglichkeit und eine stabile allgemeine Gesundheit erleichtern nicht nur die Operation selbst, sondern auch die anschließende Mobilisierung.
Studien zeigen, dass Patientinnen und Patienten, die vor einer Gelenkoperation gezielt trainieren, häufig schneller wieder gehen können, weniger Schmerzen haben und teilweise auch kürzere Krankenhausaufenthalte benötigen. Außerdem kann ein gutes Trainingsniveau das Risiko bestimmter Komplikationen reduzieren.

Bausteine der Prähabilitation
Prähabilitationsprogramme bestehen in der Regel aus mehreren Komponenten. Eine zentrale Rolle spielt die physiotherapeutische Vorbereitung. Dabei lernen Betroffene Übungen zur Kräftigung der Bein- und Rumpfmuskulatur sowie zur Verbesserung der Beweglichkeit. Besonders wichtig sind die Muskeln rund um Hüfte und Knie, da sie das neue Gelenk nach der Operation stabilisieren.
Ein weiterer Bestandteil ist das Geh- und Alltagstraining. Patientinnen und Patienten üben beispielsweise den sicheren Umgang mit Gehhilfen oder das Aufstehen und Hinsetzen nach der Operation. Wer diese Bewegungen bereits kennt, fühlt sich nach dem Eingriff oft sicherer und kann schneller mobilisiert werden. Auch Aufklärung und Beratung gehören zur Prähabilitation. Viele Kliniken bieten Informationsveranstaltungen oder individuelle Gespräche an, in denen der Ablauf der Operation, mögliche Risiken und der Weg der Genesung erklärt werden. Dieses Wissen kann Ängste reduzieren und hilft den Betroffenen, sich aktiv auf die Behandlung einzulassen.
Darüber hinaus spielt die allgemeine Gesundheit eine Rolle. Dazu zählen eine ausgewogene Ernährung, die Optimierung bestehender Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck sowie gegebenenfalls das Reduzieren von Übergewicht oder das Aufhören mit dem Rauchen. All diese Faktoren beeinflussen nachweislich den Heilungsverlauf.

Ein aktiver Beitrag zur eigenen Genesung
Prähabilitation verändert auch die Rolle der Patientinnen und Patienten. Sie werden stärker in den Behandlungsprozess eingebunden und übernehmen aktiv Verantwortung für ihre Vorbereitung. Statt nur auf den Operationstermin zu warten, können sie selbst etwas dafür tun, dass der Eingriff und die anschließende Genesung besser verlaufen. Viele Betroffene berichten, dass sie sich durch das Training vor der Operation sicherer fühlen. Sie wissen, was nach dem Eingriff auf sie zukommt und haben bereits erste Strategien gelernt, um mit Bewegungseinschränkungen umzugehen.

Blick in die Zukunft
In immer mehr orthopädischen Kliniken wird Prähabilitation inzwischen als fester Bestandteil der Behandlung rund um Hüft- und Knieendoprothesen etabliert. Digitale Trainingsprogramme, Videos für Übungen zu Hause und engere Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen, Physiotherapeuten und Hausärzten sollen diesen Ansatz weiter stärken. Auch wenn eine Operation nie völlig ohne Risiko ist, zeigt sich: Gute Vorbereitung kann den Verlauf entscheidend beeinflussen. Prähabilitation bedeutet daher mehr als nur Training vor der Operation – sie ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Patientinnen und Patienten dabei unterstützt, möglichst gestärkt in den Eingriff zu gehen und schneller wieder in Bewegung zu kommen. Gerade bei Hüft- und Knieprothesen, die den Alltag vieler Menschen nachhaltig verbessern sollen, kann diese Vorbereitung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu neuer Mobilität und Lebensqualität sein.

 

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