Wie Angehörige Patienten der Intensivstation wirkungsvoll unterstützen können

von Dr. Markus Gausmann(re.)  und Dr. Thomas Berlet (li.)

Ltd. Ärzte Intensivmedizin, Bonifatius Hospital Lingen

Zehn Prozent aller im Krankenhaus behandelten, erwachsenen Patienten werden vorübergehend auf einer Intensivstation betreut. Meist handelt es sich dabei um die kurzzeitige intensive Überwachung oder Stützung wichtiger Körperfunktionen (sogenannter Vitalfunktionen) bei inneren Erkrankungen (Beispiel Herzinfarkt) sowie nach großen operativen Eingriffen oder Unfällen. Liegt jedoch ein Organversagen vor, dauert die Intensivbehandlung oftmals Tage bis Wochen, in einigen Fällen sogar Monate. Die moderne Intensivmedizin hat erkannt, dass Angehörige oder Vertrauenspersonen den Genesungsprozess schwerkranker Patienten unterstützen können.

 
Noch vor nicht allzu langer Zeit waren Besuche auf der Intensivstation eher unerwünscht; man befürchtete eine Behinderung der Behandlungsabläufe, eine Belastung der Patienten oder gar die „Verschleppung“ von Krankheitserregern. Aufbauend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen hat hier ein Umdenken stattgefunden. Regelmäßige Besuche und alle damit verbundenen Maßnahmen, die die Anwesenheit des Angehörigen oder der Vertrauensperson für die Patienten spürbar werden lassen, sind ausdrücklich erwünscht. Als besonders effektiv haben sich das Herstellen unmittelbarer Körperkontakte, wie zum Beispiel Hand halten, Streicheln des Gesichts, vorsichtige Massagen, Unterstützung bei der Anpassung der Körperposition und die persönliche Ansprache (Berichten alltäglicher Begebenheiten aber auch Bekräftigung und Wiederholung der medizinischen und pflegerischen Maßnahmen) erwiesen. In bestimmten Phasen der Intensivbehandlung, beispielsweise beim Atemtraining oder in der Aufwachphase nach der Verabreichung bewusstseinsdämpfender Medikamente, wirkt sich eine unterstützende und beruhigende Begleitung durch Angehörige besonders günstig aus. Angehörige kennen die Vorlieben oder Abneigungen der Patienten genau und können diese dem Behandlungsteam effektiv mitteilen und so die Unannehmlichkeiten der Intensivbehandlung mindern. Nicht selten bemerken Besucher kleine, aber doch bedeutungsvolle Veränderungen im Befinden der Patienten als Erste und können dem Behandlungsteam wertvolle Hinweise geben.

Patienten, die längere Zeit auf der Intensivstation behandelt werden müssen, verlieren oftmals vorübergehend die Orientierung zu Zeit, zum aktuellen Aufenthaltsort oder sogar zur eigenen Person. Besucher können durch die unmittelbare Zuwendung, aber auch durch das Mitbringen von persönlichen Gegenständen, Bildern, individuell gestalteten Zeichnungen oder Lieblingsmusik die Patienten dabei unterstützen, die Verbindung zum gewohnten Umfeld aufrecht zu erhalten oder wiederherstellen. Ganz im Gegensatz zu früher sind Angehörige auf der Intensivstation heute also jederzeit willkommen. Dem wird durch großzügige und individualisierbare Besuchsregelungen Rechnung getragen.

Die Begleitung eines Patienten belastet jedoch auch die Angehörigen und Bezugspersonen selbst. Unterstützungsmöglichkeiten stehen in Form regelmäßiger Gespräche mit dem Behandlungsteam, Seelsorgern, ehrenamtlichen Helfern aber auch praktischen Hilfsangeboten, die oftmals über den Sozialdienst organisiert werden können, zur Verfügung. Schließlich kann auch das Beratungsangebot des Ethik-Komitees des Krankenhauses von den Angehörigen in Anspruch genommen werden.

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